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Geschichte


Das historische Alter eines Ortes lässt sich nicht immer durch die erste urkundliche Erwähnung bestimmen. So datiert die Schenkungsurkunde, mit der die Eheleute Gieselbert und Cuniza den Essener Meierhof Bischof Benno II. von Osnabrück gegen eine Leibrente von 4 Pfund Silber, 4 Wildbretstücken, 2 Schweinen und 2 Hirschen übereigneten, aus dem Jahr 1075.

Politische Einflüsse, die die europäische Geschichte geprägt haben, fanden auch immer ihren Widerhall in der wechselvollen Geschichte der Gemeinde:


  • um 800 die Christianisierung im Gefolge der fränkischen Eroberung. Der Oberlauf der Hunte (früher "Angelbeke" genannt) bildete die natürliche Grenze zwischen den Diözesen Osnabrück und Minden.
  • um 1100 die Gründung der Kirchspiele Essen, Barkhausen und Lintorf.
  • 1309/13 der Bau der Burg Wittlage, durch den das Osnabrücker Fürstenbistum seinen Herrschaftsanspruch sicherte. Das Amt Wittlage wurde Mittelpunkt der Verwaltung, auch über die nun politisch - nicht jedoch kirchlich - zu Osnabrück gehörenden Kirchspiele Barkhausen und Lintorf.
  • 1618-1648 der Dreißigjährige Krieg, der das Wittlager Land verwüstete und in tiefe Armut stürzte, weil die Truppen ihre Winterquartiere in den Bauerngebieten Westfalens und des heutigen Niedersachsens aufschlugen.
  • 1648 der Westfälische Friede zu Osnabrück und Münster, der auch den Pfarrkirchen des Wittlager Landes die Festschreibung der konfessionellen Bekenntnisses brachte.
  • 1756 der Beginn des Siebenjährigen Krieges, der den Bauern zahlreiche Kriegsfuhren an den Rhein aufbürdete.
  • 1803 der Reichsdeputationshauptschluss, der das Osnabrücker Land dem Königreich Hannover zusprach.
  • 1806 die Übernahme der Landesherrschaft durch den preußischen König.
  • 1807 die Eingliederung Essens in das Königreich Westfalen.
  • 1811 die napoleonische Herrschaft, als der Kanton Essen zum Arrondissement Osnabrück gehörte, das seinerseits Hauptstadt des französischen Département de l´Ems supérieur (Oberems) wurde. Die Abschaffung der Leibeigenschaft und die Reformierung von Verwaltung und Rechtsprechung ("Code Napoleon") kennzeichneten diese Epoche ebenso wie die politische Fremdherrschaft.
  • 1813 der Befreiungskrieg, durch den die napoleonische Herrschaft beendet, die Eigenbehördigkeit der Bauern jedoch wiederhergestellt wurde.
  • 1815-1866 die "Hannoveraner Zeit", während der das Osnabrücker Bistum und damit auch das Wittlager Land vom Könighaus Hannover regiert wurde. Die Welfenherrschaft endete mit der Schlacht von Langensalza.
  • 1848 der Aufstand der besitzlosen Heuerleute, die bei der Markenteilung leer ausgegangen waren. Heuerleute waren besitzlose Landarbeiter, die Dienste für die Bauern erbrachten und dafür in den Heuerlingshäusern wohnen und ihr Vieh auf der Allmende weiden durften.


Mit Aufteilung der Marken entfielen die Allmende und damit Weidegrund für die Heuerlinge. Während die Bauern sich nach dem Ablösungsgesetz von 1832 durch Kapitalzahlungen von ihrer Eigenbehördigkeit freikaufen konnten und ihr Land behielten, blieben den Heuerleuten nur ihre Verpflichtungen. Aus Wehrendorf, Essen, Lockhausen, Harpenfeld und Eielstädt schlossen sie sich zusammen und setzten den Erlass eines Gesetzes "Betr. die Heuerleute im Fürstentum Osnabrück" durch, das die Missstände jedoch nicht beseitigen konnte.

Durch die beginnende Industrialisierung war zudem das seit alters heimische Leinengewebe bedroht, so dass viele Heuerlinge nach Amerika auswanderten.


  • 1871 die Gründung des deutschen Kaiserreiches
  • 1885 Bildung des Kreises Wittlage aus den Ämtern Wittlage und Hunteburg
  • 1914-1918 Der Erste Weltkrieg.
  • 1939-1945 Der Zweite Weltkrieg. Ehrenmale in fast allen Dörfern und ein Gedenkstein im Totenhaus der Patronatsfamilie von dem Bussche-Hünnefeld auf dem Kirchplatz in Bad Essen erinnern an die Gefallenen der beiden Kriege aus dem Wittlager Land.



  • Hatten bis etwa 1850 Landwirtschaft und Leinenherstellung die wichtigsten Wirtschaftszweige gebildet, kam der Landwirtschaft allein bis zum Zweiten Weltkrieg die größte Bedeutung zu.
  • Nach 1945 vergrößerten sich Handwerksbetriebe zu Industriebetrieben, die gewerbliche Wirtschaft erlebte einen Aufschwung.
  • Seit Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Bad Essen immer mehr zu einem Gesundheitsstandort. Ab dem Jahr 1902 führt der Ort Essen den Namenszusatz "Bad". Im Jahr 1977 folgte die staatliche Anerkennung als Heilbad. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Solebohrung und die damit verbundene Erschließung der Thermalsolequelle im Jahr 1994, war Bad Essen von 1996 bis 2009 staatlich anerkanntes Thermalsole-Heilbad.
  • Durch den Bau der Wittlager Kreisbahn 1900, des Mittellandkanals 1914 und den späteren Ausbau der Bundesstraße 65 verbesserte sich die verkehrsmäßige Anbindung der Gemeinde.
  • Im Zuge der "Gebietsreform" wurden 1972 die Kreise Bersenbrück, Melle, Wittlage und Osnabrück zum Landkreis Osnabrück zusammengeschlossen.
    Aus den 17 selbständigen Gemeinden Bad Essen, Barkhausen, Brockhausen, Büscherheide, Dahlinghausen, Eielstädt, Harpenfeld, Heithöfen, Hördinghausen, Hüsede, Linne, Lintorf, Lockhausen, Rabber, Wehrendorf, Wimmer, Wittlage entstand die Gemeinde Bad Essen.


  • Im September 1985 wurde ein städtebauliches Sanierungsprogramm auf den Weg gebracht, das vom Land Niedersachsen unterstützt eine Modernisierung des Ortskerns von Bad Essen im Auge hatte. Die angestoßenen Baumaßnahmen endeten noch im ablaufenden Jahrtausend, und im Jahr 2003 fand das Programm „Bad Essen - Ortskern“ seinen formalen Abschluss.





    Bad Essen präsentiert sich heute als leistungsfähige Gemeinde mit einem Angebot aller Schulzweige, Altenwohnstätten, Fachkliniken, Schwimmbädern, Sport- und Spielplätzen, Kindergärten und einem naturnahen Erholungsangebot. Heute leben etwa 15.100 Menschen in der Gemeinde Bad Essen, die jährlich von Tausenden von Erholungssuchenden und Kurgästen besucht wird. Nachhaltigkeit, Genuss, Entschleunigung und Gastfreundschaft sind Merkmale Bad Essens. Und es sind die Schwerpunkte des internationalen Cittaslow-Netzwerks, in das die Gemeinde Anfang 2016 aufgenommen wurde.


    Das Bad Essener Wappen:


    wappen


    Es zeigt unter einem gezinnten roten Schildhaupt mit drei Scharten in Silber ein achtschaufliges blaues Mühlrad über blauem Wellen-Schildfuß. Bad Essen gehörte früher zum Amt Wittlage. Durch das Zinnen-Schildhaupt wird die Beziehung zur Burg Wittlage ausgedrückt.

    Das begrifflich zum Namen „Bad“ gehörende Wasser wird durch den Wellen-Schildfuß dargestellt. Das Rad einer Wassermühle ist die Figur des ehemaligen Wappens, das Bad Essen führte, bevor es mit sechzehn benachbarten Gemeinden zusammengeschlossen wurde. Die Farben Rot und Silber sind aus dem Wappen des früheren Bistums Osnabrück und seines Amtes Wittlage entnommen.

    Der Wappenentwurf wurde 1975 von dem Osnabrücker Heraldiker Hans Heinrich Reclam angefertigt.